Kalt und leise...
Der Januar
doch lass Dich nicht täuschen...

Bei Januar kommen mir sofort Bilder klirrender Kälte in den Sinn. Man rennt in dicken Jacken durch die Gegend, gefütterten Schuhen, Handschuhen, Mütze und Thermounterwäsche.
Die Tiere haben nur ihr Winterfell, und etwas Deckung im Wald oder im Gebüsch, vielleicht noch Schutz in einer Höhle. Sie leben auf Sparflamme.
Vögel fliehen vor der Kälte in den Süden um dort zu überwintern.
Die Natur ist still, doch im Hintergrund laufen bereits die Vorbereitungen für das neue Jahr...
Was passiert bei den Tieren?
Was kann ich beobachten?
Beobachtungen:
- Nach einer Schneenacht wird die Landschaft zu einem offenen Tagebuch der Tiere.
- Und auch die Tiere fallen in der weißen Landschaft mehr auf als im tristen grau.
- Jetzt fällt besonders auf, wie viele Nester den Sommer über verborgen geblieben sind.
- Rauhreif macht selbst die kleinsten Gräser und Samenstände sichtbar.
- Wo die Sonne den Frost zuerst vertreibt, regt sich oft als Erstes wieder Leben.
- Nebel und Frost verändern vertraute Wege oft stärker als jede Jahreszeit.
- Die ersten Haselkätzchen kündigen den Frühling an, lange bevor er spürbar wird.
Was passiert bei den Pflanzen?
1. Die Wintersteher: Das immergrüne Leben
Sie sind im Januar die einzigen echten Farbtupfer im graubraunen Wald und extrem wichtig für die Tierwelt:
- Nadelbäume (Fichte, Kiefer, Tanne): Sie betreiben selbst im Januar an sonnigen Tagen minimale Fotosynthese. Ihre Nadeln sind durch eine dicke Wachsschicht und ein körpereigenes „Frostschutzmittel“ geschützt, damit das Wasser in den Zellen bei Frost nicht gefriert.
- Efeu & Brombeere: Beide behalten ihre grünen Blätter. Der Efeu trägt im Januar reife, dunkle Beeren – eine absolute Lebensversicherung für Amseln und Tauben in diesem kargen Monat. Die Brombeerblätter am Boden sind jetzt die Notnahrung für das Rehwild.
- Mistel: Sie sitzt als Halbschmarotzer hoch oben in den kahlen Baumkronen. Im Januar leuchten ihre weißen Beeren weithin und locken Wintergäste wie den Seidenschwanz oder die heimische Misteldrossel an.
2. Das unsichtbare Leben unter der Erde
Am Waldboden sieht man im Januar meist nur altes Laub, aber direkt darunter herrscht bereits Hochbetrieb:
- Schneeglöckchen & Märzenbecher: Ihre Zwiebeln sitzen tief im frostfreien Boden. Bereits im Januar schieben sie, von uns unsichtbar unter dem Laub oder Schnee, ihre ersten grünen Spitzen nach oben. Sie nutzen die im Vorjahr in der Zwiebel gespeicherte Energie, um startklar zu sein, sobald der Boden auftaut.
3. Die Knospen: Verpackt wie ein Wintermantel
Wenn du im Januar die kahlen Äste der Laubbäume (wie Buche oder Eiche) genau fotografierst, siehst du das Leben des nächsten Frühlings:
- Perfekt isoliert: Die Knospen für die neuen Blätter und Blüten wurden schon im letzten Sommer angelegt. Im Januar ruhen sie, geschützt durch knallharte, wasserdichte und frostresistente Knospenschuppen. Sie warten im Grunde nur darauf, dass die Tage im Frühjahr wieder länger werden und der Saftstrom der Bäume wieder einschießt.
Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.
Erich Kästner (1899-1974)
Der Weihnachtsmann ging heim in seinen Wald.
Doch riecht es noch nach Krapfen auf der Stiege.
Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.
Man steht am Fenster und wird langsam alt.
Die Amseln frieren. Und die Krähen darben.
Und auch der Mensch hat seine liebe Not.
Die leeren Felder sehnen sich nach Garben.
Die Welt ist schwarz und weiß und ohne Farben.
Und wär so gerne gelb und blau und rot.
Umringt von Kindern wie der Rattenfänger,
tanzt auf dem Eise stolz der Januar.
Der Bussard zieht die Kreise eng und enger.
Es heißt, die Tage würden wieder länger.
Man merkts es nicht. Und es ist trotzdem wahr.
Schriftsteller, Chronist des Alltags, Moralist, Gebrauchslyriker
